Verfahren / Prozess

Wird das Projekt Gornerli im Rahmen der bestehenden Konzessionen realisiert, oder sind neue Konzessionen notwendig?

Weder noch. Das Projekt Gornerli wird mit Hilfe einer Zusatzkonzession zu den aktuellen Grande Dixence-Konzessionen realisiert. Die Zusatzkonzession betrifft nur den Teil Gornerli, die bestehenden Konzessionen der Grande Dixence bleiben unverändert.

Welche Rolle nimmt die Gemeinde Zermatt in diesem Projekt ein?

Die Gemeinde Zermatt wird laufend über die Entwicklung des Projekts informiert und bringt bei Bedarf ihre Interessen ein. Die zukünftige Zusammenarbeit und alle relevanten Themen (Hochwasserschutzschutz, Bewässerung, Trinkwassernetz etc.) werden von der Gemeinde Zermatt und der Grande Dixence SA gemeinsam geregelt.

Kann die Bevölkerung über dieses Projekt abstimmen? Wenn ja, wann?

Die Bevölkerung von Zermatt und die der anderen Konzessionsgemeinden des Mattertals werden im Rahmen von Urversammlungen über die Zusätze zu den bestehenden Konzessionen entscheiden. Die Planung des Projekts, einschliesslich der Umweltverträglichkeitsprüfung, wird zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein, damit die Bevölkerung ihre Entscheidung in Kenntnis aller Informationen treffen kann. Für diese Abstimmungen wurde noch kein Termin festgelegt, weil es für diese Abstimmung ein vollständiges Dossier braucht, welches wiederum von den Verhandlungen mit der Vereinigung des konzedierenden Gemeinwesens der Grande Dixence (ACC GD) sowie der Bestimmung der Ausgleichsmassnahmen abhängig ist
Die 20 Konzessionsgemeinden und der Kanton müssen sich ebenfalls zur Vereinbarung über den Restwert äussern.

Worin besteht der konkrete Mehrwert für Zermatt?

Die Gemeinde Zermatt profitiert von vielen Vorteilen:

  • Schutz vor Überschwemmungen
  • Auf lange Sicht sichere Wasserversorgung für das gesamte Tal
  • Voraussetzungen schaffen für eine sichere, lokale Stromversorgung über das ganze Jahr hinweg
    Langfristig gesicherte technische Beschneiung des Skigebietes
  • Mehreinnahmen durch Wasserzinsen und Steuern
  • Langfristiger Mehrwert für den zukünftigen Miteigentümer Zermatt, da durch das Projekt Gornerli die Speicherkapazität und damit der Wert der Grande Dixence weiter zunimmt (Mehrwert Speicherung und Regulierbarkeit von erneuerbarer Energie)
  • Wichtiger Beitrag zur Stromversorgungssicherheit auf kantonaler und nationaler Ebene

Wieso beteiligt sich der Kanton nicht am Projekt?

Der Kanton ist derzeit Konzessionsgeber von Grande Dixence und beteiligt sich als Konzessionsgeber am Projekt.

Die aktuelle Konzession und die Zusatzkonzessionen laufen bis zum Konzessionsende der bestehenden Grande-Dixence-Konzessionen Ende 2044. Danach ist eine Konzessionserneuerung oder eine Neukonzessionierung notwendig. In diesem Rahmen ist eine kantonale Beteiligung durch FMV gemäss geltender Gesetzgebung vorgesehen. Mehrere Dienststellen des Kantons beteiligen sich zudem im Rahmen des Gornerli-Dialoges in verschiedenen Arbeitsgruppen des Projekts.

Warum wird nicht über die Beeinträchtigungen durch die Baustellenlogistik gesprochen?

Wir verstehen die Bedenken der lokalen Bevölkerung bezüglich der Logistik und nehmen sie sehr ernst. Der allergrösste Teil des Materialtransports wird mithilfe einer Kombination von Bahn und zwei temporärer Seilbahnen abgewickelt. Die beiden Seilbahnen werden nach der Bauphase wieder demontiert. Einige Spezialtransporte erfolgen mit Lastwagen durch den Ort, werden aber auf ein Mindestmass beschränkt. Das Logistikprojekt wird derzeit erarbeitet, und die entsprechenden Kontakte mit den Logistikpartnern und den Grundstückseigentümern sind aktuell Gegenstand konkreter Verhandlungen. Eine erste Vorstellung dieses Konzepts fand am 4. März 2026 im Rahmen des 2. Informationsanlass für die Bevölkerung statt.

Inwiefern wird sich das Gornerli-Projekt positiv auf die regionale und die überregionale Hochwassersicherheit auswirken?

Das Rückhaltevolumen von Gornerli hätte das zweimalige Übertreten der Mattervispa Ende Juni 2024 in Zermatt verhindert und die Hochwasserschäden im Val d’Hérens und im gesamten Mattertal reduziert (ausgenommen Schäden aus dem Seitenbach Triftbach). Fachleute gehen davon aus, dass in Zukunft aufgrund des Klimawandels vermehrt mit vergleichbaren bzw. noch stärkeren Naturereignissen zu rechnen ist. Auch ihre Häufigkeit wird zunehmen. Das Projekt Gornerli wird derartige Risiken in Grenzen halten können, insbesondere dank eines zusätzlichen Freibords, der ein Reservevolumen von 13 Millionen m3 bietet. Dies entspricht dem 16-fachen Volumen des Stauseevolumens von Z’Mutt. Zudem wird das Projekt lokale Risiken wie Gletschersee-Ausbrüche, Murgänge oder Felsabbrüche stark mindern.

Wie erfolgt die zukünftige Stauseebewirtschaftung in Bezug auf Stromproduktion, Hochwasserschutz und Wasserversorgung?

Dem Hochwasserschutz und der Wasserversorgung wird im Rahmen der zukünftigen Stausee-Bewirtschaftung eine prioritäre Rolle in Form einer Wasservorhaltung zukommen. Die zukünftige Bewirtschaftung wird zwischen der Grande Dixence SA und der Gemeinde Zermatt verbindlich geregelt.

In Zermatt gab es in den letzten Jahren mehrere Blackouts. Werden sich derartige Probleme durch den Bau der Staumauer Gornerli beheben lassen?

Der Gornerli-Speicher wird es ermöglichen, dass das für den Betrieb des EWZ-Kraftwerks und damit des lokalen Stromversorgers in Mutt erforderliche Wasser jederzeit zur Verfügung steht. Er trägt damit direkt zur Erhöhung der langfristigen Versorgungssicherheit Zermatts bei. Dies erfordert jedoch Investitionen durch den lokalen Versorger EWZ. Zudem laufen Gespräche mit EWZ, um weitere Synergien für die lokale Stromversorgungssicherheit zu ermitteln.

Was sind derzeit die zentralen Herausforderungen bei diesem Projekt?

Wie bei jedem Projekt dieser Grössenordnung gibt es diverse Herausforderungen: Es geht dabei zunächst um die Zusatzkonzessionen und die Vereinbarung über den Restwert, die es mit den Konzessionsgemeinden und dem Kanton auszuhandeln gilt, um die Umsetzung von Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen und im weiteren Sinne um Umweltfragen. Zudem gilt es, den Gletscher und die Naturgefahren zu berücksichtigen. Um ein solch komplexes Projekt realisieren zu können, müssen viele, zum Teil divergierende Interessen in Einklang gebracht werden

Können Sie nachvollziehen, dass es Personen gibt, die gegen dieses Projekt sind?

Da es sich um eines der grössten Infrastrukturprojekte der Schweiz handelt, gehen die Meinungen selbstverständlich auseinander. Für die Grande Dixence SA ist es von entscheidender Bedeutung, die Vorteile dieses Projekts – d.h. die Stromversorgungssicherheit der Schweiz, den Hochwasserschutz und die Wasserversorgung – und die Auswirkungen auf Landschaft und Natur sowie die lokalen Auswirkungen auf Tourismus und Bevölkerung gegeneinander abzuwägen. Diese Abwägung erfolgte bereits 2021 im Rahmen des Runden Tisches, bei dem Behörden, Umweltverbände und Stromversorger der Ansicht waren, dass Gornerli zu den 16 prioritären Projekten gehören sollte.

Wie reagieren Sie auf die Kritik, dass die Gewinne den grossen Energieunternehmen zufallen, während die Gemeinden die Hauptlast und die Risiken tragen?

Die Konzessionen für das Projekt Gornerli laufen bis ins Jahr 2044. Grande Dixence zahlt den Konzessionsbehörden durchschnittlich über CHF 46 Millionen pro Jahr an Steuern und Wasserzinsen, davon knapp CHF 4 Millionen an die Gemeinde Zermatt. Anschliessend fallen die Gornerli-Anlagen sowie alle weiteren Anlagen der Grande Dixence an die Konzessionsgemeinden zurück. Ab 2045 sind also diese Gemeinden und der Kanton Miteigentümer aller Anlagen. Wenn wir davon ausgehen, dass das Projekt 2034 in Betrieb genommen wird, werden es die derzeitigen Eigentümer nur zehn Jahre lang betreiben. Die Konzessionsgemeinden und der Kanton können es hingegen im Anschluss mindestens 80 Jahre lang, also wesentlich länger, betreiben. Potenzielle Gewinne kommen also nicht in erster Linie den grossen Energieunternehmen zu. Die lokalen Belastungen und Risiken, die mit dem Bau eines solchen Projekts verbunden sind, sind gegenüber dem langfristigen Mehrwert für die Region abzuwägen.

Wird Grande Dixence ohne Sicherheiten mindestens 300 Millionen Franken in dieses Projekt investieren – und das im Wissen, dass diese Investitionen aufgrund des Heimfalls von Konzessionen nicht amortisiert werden können? Was sind Ihre Sicherheiten?

Parallel zu den Zusatzkonzessionen muss mit den 20 Konzessionsgemeinden und dem Kanton eine Vereinbarung über die angemessene Restwertentschädigung nach Ablauf der Konzessionen im Jahr 2044 abgeschlossen werden. Da die geplanten Investitionen während der verbleibenden Laufzeit der Konzessionen, d.h. maximal ca. zehn Jahre, nicht amortisiert werden können, muss die Restwertentschädigung vom derzeitigen Eigentümer Grande Dixence und den Konzessionsgebern gemeinsam festgelegt werden. Um diese Verhandlungen zu führen, ist der Vereinigung des konzedierenden Gemeinwesens der Grande Dixence (ACC GD) seit November 2025 aktiv. In diesem Rahmen wird auch die Entschädigung für den Restwert der Investition für Gornerli verhandelt.

Warum soll in Zermatt eine neue Staumauer gebaut und nicht die bestehende Staumauer Grande Dixence erhöht werden (wie in den Unterlagen des Runden Tisches erwähnt)?

Technisch ist es nicht möglich, die Staumauer Grande Dixence um mehr als 5 m zu erhöhen. Gründe dafür sind erhöhte Risiken einerseits in Bezug auf das dahinterliegende, bestehende Stollensystem und andererseits in Bezug auf die Anlagen unterhalb der Staumauer (Wasserschloss, Druckschächte und Schieber). Zudem ist die Machbarkeit des Projekts aus gesetzgeberischer Sicht noch nicht abschliessend geklärt.

Das Erhöhungsprojekt Dix+ ist aufgrund seines maximalen Speicherpotenzials von 100 GWh weder eine Alternative noch eine Konkurrenz zum Projekt Gornerli. Es könnte jedoch eine geeignete Ergänzung im Gesamtkontext des Ausbaus der Anlagen des Lac des Dix darstellen, um die nationale Stromversorgungssicherheit im Winter zu gewährleisten.

Benötigt das Projekt Gornerli Subventionen und falls ja, wie viel?

Die aktuelle Gesetzgebung sieht für neue Wasserkraftanlagen eine Förderung vor. Damit soll die Grundlage für die Energiestrategie 2050 gelegt werden, nämlich die fossilen Energien durch erneuerbare Energie abzulösen. Die Förderhöhe von einzelnen Projekten hängt von den Baukosten und den Strompreisprognosen ab. Obwohl das Projekt Gornerli wirtschaftlich interessant ist, ist je nach Marktpreisprognose und den definitiven Baukosten auch das Projekt Gornerli auf Förderbeiträge angewiesen.

Wie wirken sich das neue Stromgesetz (Mantelerlass) und der Beschleunigungserlass auf das Projekt aus?

Gornerli ist das wichtigste Projekt im Rahmen des Runden Tisches. Mit dem neuen Stromgesetz wird das raumplanerische Verfahren vereinfacht, die Konzessions- und das Baubewilligungsverfahren jedoch werden beibehalten. Mit Annahme des Stromgesetzes wird dem Projekt Gornerli mehr Gewicht beigemessen im Vergleich zu anderen nationalen Interessen, wie dem Schutz von Natur und Landschaft. Darüber hinaus beschränkt der Beschleunigungserlass unter anderem die Einsprachen von Organisationen gegen die 16 Wasserkraft-Projekte des Runden Tisches bis zum Kantonsgericht. Im Rahmen der Einigung am Runden Tisch wurde zudem vereinbart, dass für die Projekte geeignete Ausgleichsmassnahmen vorzuschlagen und umzusetzen sind.

Wie wird sichergestellt, dass die neue Staumauer sicher genug gebaut und betrieben wird?

In der Schweiz unterliegt jede Staumauer dem Bundesgesetz über die Stauanlagen und der dazugehörigen Ausführungsverordnung. Das Bundesamt für Energie (BFE) ist für die Einhaltung der Anforderungen aus dieser Gesetzgebung verantwortlich und erarbeitet die Anwendungsrichtlinien. Das BFE kontrolliert das Projekt und stellt sicher, dass sämtliche geltenden Gesetze, Verordnungen und Richtlinien eingehalten werden. Die Betreiber müssen die dafür notwendigen Vorkehrungen treffen (Sicherheitsorgane, Messinstallationen, Tests etc.).

Werden auch andere Varianten des Projekts Gornerli geprüft?

Im Rahmen der Projektentwicklung ist die Grande Dixence zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die aktuelle Variante, die insgesamt Beste ist. Trotzdem werden im Rahmen des Gornerli-Dialogs derzeit mit allen Beteiligten (Umwelt-NGOs, Fischerei, Schweizer Alpen-Club, Bergführerverband) sowie mit externen Experten andere mögliche Varianten nochmals geprüft. Dazu gehört unter anderem eine Variante mit zwei Dämmen, die ehemals von der IG Gornerli vorgeschlagen wurde. Die entsprechenden Ergebnisse werden im Laufe des Jahres 2026 vorliegen. Die von Grande Dixence erarbeitete Lösung wird aber parallel dazu weiterentwickelt. Sollten sich neue relevante Erkenntnisse aus dieser Variantenprüfung ergeben, werden diese von der Grande Dixence bei der Konzeption des Projekts berücksichtigt.

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