Winterstrom und Mehrproduktion
Mit dem Gornerli-Stausee können dank Synergien mit der bestehenden Infrastruktur der Grande Dixence zusätzlich maximal 650 Mio. kWh Sommerstrom in den Winter verschoben werden. Dieser Wert entspricht einem theoretischen Höchstwert, der sich aus der Form des Tals und den künftigen Zuflussmengen der Gornera ergibt. Das tatsächliche Volumen, das derzeit noch geprüft wird, hängt auch von den zukünftig nutzbaren Zuflussmengen im gesamten Einzugsgebiet der Grande Dixence ab. Diese Studien sind wiederum von den Klimaszenarien – eine wichtige Grundlage dazu bildet die jüngste Klimaanalyse CH2025 vom November 2025 – sowie von der geltenden Gesetzgebung abhängig. Damit leistet Gornerli einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der nationalen Stromversorgung – insbesondere im Winter, wenn der Strombedarf der Schweiz hoch ist.

Die Gesamtproduktion der Grande Dixence erhöht sich mit Gornerli um netto maximal 200 Mio. kWh pro Jahr, was der jährlichen Produktion von zwölf mittelgrossen Windparks oder dem Verbrauch von über 40’000 Schweizer Haushalten entspricht. Dieser Wert hängt von den zukünftigen Zuflussmengen und vom Rückzug des Gletschers ab. Ein Teil der bisher ungenutzten Wassermengen der Gornera-Fassung wird – unter Einhaltung der Umweltvorgaben und Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen – gespeichert und für die Stromproduktion genutzt. Zudem spart die neue Pumpstation Gornerli, die rund 240 Meter höher liegt als die bisherige in Z’Mutt, eine grosse Menge an Pumpenergie ein.
Weiter sichert das Projekt insbesondere der Gemeinde Zermatt, aber auch dem Kanton Wallis und den anderen Konzessionsgemeinden Mehreinnahmen in Form von Wasserzinsen und Steuern. Schliesslich profitieren die zukünftigen Miteigentümer, insbesondere die heutigen Konzessionsgemeinden und der Kanton, direkt von der Aufwertung der bestehenden Kraftwerkanlagen der Grande Dixence. Weitere Vorteile für die Region bestehen in der Optimierung der technischen Beschneiung der Skipisten der Zermatter Bergbahnen sowie die Schaffung der Voraussetzungen für eine bessere lokale Versorgungssicherheit in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Energieversorger EWZ.

„Das Gornerli ist ein zentrales Puzzlestück der Schweizer Energiezukunft.“
Albert Rösti, Bundesrat und Vorsteher UVEK
HOCHWASSERSCHUTZ
Der Klimawandel führt zu einer Beschleunigung der Gletscherschmelze, einer Intensivierung von Starkniederschlägen und damit zu einer Zunahme der Hochwassergefahr.

Der Gornerli-Stausee wird für den Hochwasserschutz in der gesamten Region eine zentrale Rolle spielen, da er es ermöglicht, bei Starkniederschlägen oder abrupten Ausbrüchen von Gletscherseen ein beträchtliches Wasservolumen aufzunehmen und zurückzuhalten. Dadurch lassen sich Folgeschäden bei Hochwasser erheblich verringern.
Die beiden Hochwasserereignisse vom Juni 2024 haben deutlich gemacht, wie dringlich die Verbesserung des Hochwasserschutzes für Zermatt und das Mattertal ist. Mit dem geplanten Rückhaltevolumen Gornerli hätten beide Schadenereignisse (mit Ausnahme der Schäden durch den Triftbach) verhindert werden können. Künftig kann Gornerli im Hochwasserfall knapp die Hälfte des Zuflusses in die Mattervispa bei Zermatt zurückhalten und so die Hochwassergefahr nicht nur in Zermatt, sondern im gesamten Mattertal sowie im Val d’Hérens und im Rhonetal reduzieren.

„Das Gornerli verbessert den Hochwasserschutz in Zermatt, aber nicht nur: Es wirkt sich positiv auf den gesamten Hochwasserschutz der Vispa aus, bis hinunter nach Visp.“
Romy Biner-Hauser, Gemeindepräsidentin Zermatt
WASSERVERSORGUNG
Die Gewährleistung einer sicheren Trink- und Brauchwasserversorgung ist gerade im Rahmen des Klimawandels eine Notwendigkeit. Künftig wird die Wassernachfrage insbesondere in den Gemeinden Zermatt und Visp immer mehr zunehmen, während Trockenperioden häufiger und länger werden. Der Rückzug der Gletscher wird auch die Verfügbarkeit von Wasser in Trockenperioden verringern. Mögliche Massnahmen, um einer zukünftigen Wasserknappheit entgegenzuwirken, sind neben der Sensibilisierung der Bevölkerung und der Industrie sowie der Optimierung der bestehenden Wasserversorgungssysteme auch der Bau von neuen, sicheren Wasserreservoiren. Der Gornerli-Speicher kann dabei für die gesamte Region eine zentrale Rolle als Wasserspeicher einnehmen.
Im Mattertal wird derzeit nach Lösungen gesucht, um die regionale Wasserversorgung langfristig zu sichern. Gornerli kann Teil dieser Lösung werden.

„Aufgrund ihrer grossen Kapazitäten stellen alpine Stauseen eine wichtige Infrastruktur für die integrierte Bewirtschaftung von Wasserressourcen dar.“
Prof. Emmanuel Reynard, Professor für Physische Geografie, Universität Lausanne
