ÜBERBLICK PROJEKT

Der Mehrzweckspeicher Gornerli ist ein Projekt des Runden Tisches Wasserkraft und wird in die bestehende Infrastruktur der Grande Dixence integriert. Die Inbetriebnahme ist aus heutiger Sicht für ca. 2035 vorgesehen. Die Inbetriebnahme hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere vom gesamten Bewilligungsverfahren. 

HINTERGRUND: RUNDER TISCH WASSERKRAFT

Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht unter anderem einen Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Vor diesem Hintergrund tauschten sich ab August 2020 Vertreterinnen und Vertreter wichtiger Akteure im Bereich Wasserkraft auf Einladung von Simonetta Somaruga im Rahmen eines Runden Tisches über die Herausforderungen der Wasserkraft, des Netto-Null-Klimaziels des Bundes, der Stromversorgungssicherheit und des Erhalts der Biodiversität aus. Das Ziel der Teilnehmenden – politische Akteurinnen und Akteure, Vertreterinnen und Vertreter der Stromproduzenten sowie die wichtigsten Umweltschutzverbände – bestand darin, Projekte zu bestimmen, deren Umweltauswirkungen im Vergleich zur erwarteten Produktion so gering wie möglich ausfallen. In einer Abschlusserklärung wurden 16 Projekte von nationalem Interesse ausgewählt sowie Ausgleichsmassnahmen und allgemeine Empfehlungen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft festgelegt. Das bedeutendste und grösste Projekt dieser Liste ist der Mehrzweckspeicher Gornerli: Er könnte allein rund ein Drittel der zusätzlichen Winterstromproduktion aller Wasserkraft-Projekte dieses Runden Tisches bereitstellen.

Im Rahmen des Ausbaus der Winterenergie in der Schweiz prüft die Grande Dixence auch die Erhöhung der Staumauer Grande Dixence (Projekt Dix+; mit maximal 100 GWh zusätzlicher Winterenergie). Eine Machbarkeitsstudie läuft. Dieses Projekt ist weder eine Alternative noch eine Konkurrenz zum Projekt Gornerli, könnte aber im Gesamtkontext der Anlagen der Grande Dixence eine geeignete Ergänzung darstellen.

EINBETTUNG IN DAS WASSERKRAFTNETZ DER GRANDE DIXENCE

Das Wasser der Gornera wird heute bis zur Pumpstation Z’Mutt geleitet und in den Stollen hochgepumpt, der es zum Lac des Dix befördert. Mit dem Projekt Gornerli wird das Wasser künftig im neuen Stausee gespeichert, über eine neue, höher gelegene unterirdische Pumpstation in das bestehende Stollensystem geleitet und in den bestehenden Anlagen der Grande Dixence turbiniert. Der Gornerli-Speicher wird die Winterstromproduktion auf Grund der Möglichkeit der Speicherung der Zuflüsse im Sommer erhöhen. Zudem wird durch die geringere Pumpenhöhe rund die Hälfte der Pumpenergie eingespart und zusätzlich dazu werden ungenutzte Überläufe im Sommer genutzt.

NUTZVOLUMEN SPEICHERSEE

Eine Herausforderung liegt in der Bestimmung des künftigen Nutzvolumens des Stausees, das von diversen Faktoren abhängig ist, insbesondere von den zukünftigen Zuflüssen, dem Gletscherrückzug und den gesetzlich vorgeschriebenen Restwasserabgaben. Gemeinsam mit externen Fachleuten, insbesondere der ETH Zürich, werden diese Faktoren mit Hilfe von Klimaszenarien untersucht. Die neusten Erkenntnisse fliessen in die Projektentwicklung ein.

BAU UND LOGISTIK

Die Baumassnahmen umfassen im Wesentlichen den Bau der Staumauer und der unterirdischen Pumpstation. Die Bauherrschaft geht derzeit von einer Staumauerhöhe von rund 85 Metern aus. Die definitive Dimensionierung erfolgt, sobald die derzeit laufenden Studien über das künftig nutzbare Volumen abgeschlossen sind.

Die Bauarbeiten werden derart geplant, dass die Beeinträchtigungen für die Gemeinde Zermatt und die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich gehalten werden. Aufgrund der abgelegenen Lage der Staumauer und der mit der Tourismusdestination Zermatt verbundenen Einschränkungen stellt die Projektlogistik eine besondere Herausforderung dar. Im Vordergrund steht eine Lösung, die auf die bestehenden Bahnanlagen (MGB/GGB) bis zur Station Findelbach und eine provisorische Seilbahn bis Schweigmatten (Furi) setzt. Von Schweigmatten aus wird ein neuer Zugangsstollen zur Staumauer und zur Pumpstation gebaut. Schwertransporte durch das Dorf werden auf ein Minimum reduziert und auf separat zu bewilligende Spezialtransporte beschränkt. Im Bereich Schweigmatten ist ein Standort für die Unterbringung der Arbeitskräfte und für den Transport-Umschlag vorgesehen. Verhandlungen mit dem Bodenbesitzern laufen.

VERFAHRENSSCHRITTE UND ZEITPLAN

  • 2021 : Aufnahme Projekt in den Runden Tisch Wasserkraft
  • 2023 : Technisches Vorprojekt und Voruntersuchung Umwelt
  • 2023 : Aufnahme des Projektes in den kantonalen Richtplan durch den Staatsrat des Kanton Wallis
  • 2024 : Zustimmung Aufnahme in den kantonalen Richtplan durch den Bund
  • Seit 2024 : Gesetzliche Verankerung von zusätzlichen Ausgleichsmassnahmen aus dem Runden Tisch
  • Seit 2024 : Vorbereitung Zusatzkonzessionen und Restwertentschädigung mit den Konzessionsgebern
  • Seit 2024 : Partizipatives Vorgehen mit diversen Interessengruppen im Rahmen des Dialogs Gornerli und der verschiedenen spezifischen Arbeitsgruppen
  • Seit 2024 : Erarbeitung des BaupProjektes und der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)
  • Seit 2025 : Analyse Nutzvolumen und Höhe Staumauer abhängig von den aktuellen Klimaszenarien
  • Seit 2025 : Erarbeitung Logistikkonzept
  • Seit November 2025 : Start Verhandlung Zusatzkonzessionen und Restwertentschädigung mit der Vereinigung des konzedierenden Gemeinwesens der Grande Dixence (ACC GD)
  • Winter 2026/27 : Entscheid Vergabe Zusatzkonzessionen durch Konzessionsgeber. Einreichung Baubewilligungsantrag erfolgt nach diesem Entscheid. Abschluss Bewilligungsdossiers inkl. Zusatzkonzession und Restwertvereinbarung

Der Abschluss des Vorverfahrens nach Art. 13 des kantonalen Gesetzes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte, die Einreichung des Projektdossiers und die Erteilung der Zusatzkonzessionen durch die Konzessionsbehörden hängen vom laufenden Verfahren ab (siehe oben). In Abhängigkeit von diesen Verfahrensschritten, dem kantonalen Bewilligungsverfahren, allfälligen Einsprachen oder Beschwerden, der Restwertvereinbarung, der Zusage der Fördergelder sowie dem Bauentscheid durch die Bauherrschaft erfolgen der Baustart und rund sechs Jahre später die Inbetriebnahme des Bauwerks. Aus heutiger Sicht ist eine Inbetriebnahme ab 2035 möglich, wobei der Projektfortschritt sehr stark von externen Elementen bestimmt wird.

AKTUELLE PROJEKTARBEITEN

Im Rahmen der Studien zum Vorprojekt hat die Grande Dixence umfangreiche Sondierbohrungen durchgeführt. Die Resultate haben die Erkenntnisse aus den geologischen Voruntersuchungen bestätigt, d. h. eine für den Bau einer Bogenmauer insgesamt vorteilhafte Geologie.

Aktuell laufen weitere Untersuchungen, um das Vorhaben optimal planen und die angestrebten Ziele erreichen zu können. Dabei stehen folgende Themen im Vordergrund: Geologie, Hydrologie, Gletschersee, Seebildung, Staumauer, Pumpstation, Logistik sowie Umwelt- und Landschaftsschutz. Die gewonnenen Erkenntnisse werden berücksichtigt und fliessen in die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und das Bauprojekt ein. Sie geben Aufschluss über die notwendigen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen.

BAUHERRSCHAFT

Bauherrin und Investorin des Gornerli-Projekts ist die Grande Dixence SA. Die laufende Projektierung erfolgt dabei in Zusammenarbeit mit der Hauptaktionärin Alpiq, diversen weiteren externen Fachfirmen und führenden Forschungsinstituten wie der ETH Zürich, der ETH Lausanne und dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Die Gemeinde Zermatt wird laufend über die Entwicklung des Projekts informiert und bringt bei Bedarf ihre Interessen ein. Die weiteren 19 Konzessionsgemeinden der Grande Dixence sowie der Staat Wallis werden laufend über das Projekt informiert. Eigentümer der Grande Dixence sind Alpiq Suisse SA (60%) sowie Axpo Power AG, BKW Energie AG und IWB (je 13,3%).

Facts & Figures

  • Einzugsgebiet: Monte Rosa-Massiv mit Gorner- und Grenzgletscher
  • Gewässer: Nutzung der teilweise bereits gefassten Gornera
  • Schutzzone: BLN-Objekt Nr. 1707 Dent Blanche – Matterhorn – Monte Rosa
  • Staumauer: Bogenmauer, Höhe ca. 85 m, Länge ca. 275 m
  • Standort Staumauer: Talenge zwischen Gornergletscher und Furi (unterhalb Gagenhaupt), 1 km oberhalb der bestehenden Wasserfassung Gornera
  • Nutzvolumen des Stausees: max. 150‘000‘000 m3
  • Betonvolumen: ca. 220‘000 m3
  • Unterirdische Pumpstation: 3 Pumpen, Pumphöhe 200 bis 265 m
  • Kraftwerk: Integration in das bestehende Kraftwerksystem Grande Dixence
  • Zusätzlicher Winterstrom: max. 650 Mio. kWh pro Jahr
  • Zusätzliche Stromproduktion ca. 200 Mio. kWh pro Jahr
  • Investitionskosten: mindestens 300 Mio. CHF
  • Inbetriebnahme: ab 2035, abhängig von diversen externen Faktoren

(Projektstand 2025)

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