Wieso ein Projekt genau an diesem Standort?
Der Standort bietet folgende Vorteile:
- Grosses und langfristiges Wasserpotenzial
- Nähe zu einem bestehenden Wasserkraftkomplex
- Ideale Talenge für den Bau einer Staumauer
- Sehr begrenzte Auswirkungen auf die Landschaft, da diese durch Klimawandel und den damit verbundenen Rückzug des Gletschers ohnehin tiefgreifend verändert werden (geringer Unterschied zwischen natürlicher Veränderung und Veränderung durch das Projekt Gornerli).
Bis wann wird sich der Gletscher vollständig aus dem Perimeter des zukünftigen Stausees zurückgezogen haben?
Gemäss heutigen Prognosen wird sich der Gletscher zwischen 2045 und 2060, je nach Klimaszenarien und Modellierungsannahmen, vollständig aus dem Stausee zurückgezogen haben. Erst wenn dies vollständig erfolgt ist, wird das Nutzvolumen voll zur Verfügung stehen. Dies bedeutet auch, dass bis zu diesem Zeitpunkt die maximale Winterproduktion nicht erreicht werden kann.
Was bewirkt die temporäre Einstauung des Gletschers?
Der natürliche See staut die Gletscherzunge ein, auch ohne Projekt Gornerli. Auf Grund des Projektes Gornerli und des damit verbundenen höheren Seeniveaus ist diese Einstauung stärker und führt dazu, dass das Abschmelzen des Gletschers um rund zehn Jahre beschleunigt wird. Der Grenzgletscher wird sich aus heutiger Sicht sich zwischen 2035 und 2040 auftrennen. Der verbleibende, vom oberen Gletscherbereich getrennte untere Gletscherteil wird anschliessend rasch abschmelzen, weil das Eis keinen Nachschub mehr hat (Todeis). All diese Vorgänge laufen in den kommenden Jahrzehnten auch ohne Gornerli-Projekt auf Grund des Klimawandels ungehindert ab.
Wann ungefähr wird, abhängig vom Gletscherrückzug, das gesamte Nutzvolumen verfügbar sein?
Je nach Klimaszenarien wird der Gornergletscher zwischen 2045 und 2060 vollständig aus dem See verschwinden. Danach wird das gesamte Speichervolumen des Gornerli-Sees nutzbar sein.
Wie beeinflusst der Klimawandel das Projekt Gornerli?
Durch den Klimawandel werden sich der Gorner- und der Grenzgletscher in den kommenden Jahrzehnten stark zurückziehen. Neu werden Felsen, Steine, Moränen und neue Vegetation, aber auch ein natürlicher See das neue Gletschervorfeld prägen. Die Landschaft wird also durch die Klimaveränderung, unabhängig vom Gornerli-Projekt, sehr stark verändert. Ohne diese Veränderung wäre das Projekt Gornerli nicht möglich und auch gar nicht sinnvoll. Gornerli ist quasi «ein Kind des Klimawandels» und kann seinerseits einen Beitrag gegen die Auswirkungen des Klimawandels leisten: zusätzlicher Winterstrom, zusätzliche Stromproduktion, Reduktion des Pumpaufwands, Schutz gegen Hochwasser sowie langfristige Sicherung der regionalen Wasserversorgung.
Wie wirkt sich der Bau der Staumauer auf die zukünftige Umwelt und das zukünftige Landschaftsbild aus?
Der Schutz der Umwelt und der Landschaft ist eine zentrale Herausforderung dieses Projekts. Die entsprechenden Abklärungen laufen aktuell im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), in enger Koordination mit den Interessengruppen (Dialog Gornerli). Die Landschaft wird durch die Klimaveränderung ohnehin auf natürliche Weise sehr stark verändert. Diese natürliche Veränderung (aus einem Gletschertal wird ein Seetal) ist viel komplexer als die zusätzliche Veränderung durch Gornerli. Der Bau der Staumauer wird diese neue Landschaft mitprägen, aber das Projekt leistet gleichzeitig einen sehr wichtigen Beitrag gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Die Staumauer wird das einzige sichtbare Bauwerk sein, alle anderen Anlageteile wie Pumpstation, Energiezuleitung und Transportwege werden unterirdisch geführt. Die unvermeidbaren negativen Auswirkungen unterliegen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen.


Vergleich zwischen dem natürlichen See und dem Stausee, geschätzt für das Jahr 2100
Ist der Bau eines solchen Projekts in einem Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften (BLN) gelistet ist, überhaupt erlaubt?
Das Projekt Gornerli ist ein Projekt von nationaler Bedeutung und befindet sich im BLN-Gebiet Nr. 1707 Dent Blanche – Matterhorn – Monte Rosa. Gemäss dem Energiegesetz (EnG), dem Stromversorgungsgesetz (StromVG) und dem Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) ist der Bau des Projekts Gornerli in einem BLN möglich, da das Projekt von grossem nationalem Interesse ist und die Realisierung des Projekts grundsätzlich Vorrang vor anderen nationalen Interessen hat. Es wird eine angemessene Interessenabwägung vorgenommen. Ein grösstmöglicher Natur- und Landschaftsschutz ist jedoch anzustreben und bauliche Auswirkungen, die sich nicht vermeiden lassen, sind durch Kompensationsmassnahmen auszugleichen.
Wie wird die Interessenabwägung zwischen Versorgungssicherheit und Naturschutz erfolgen?
Dem Schutz-Interesse wird im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung und in Zusammenarbeit mit den Interessengruppen grösstmögliche Beachtung geschenkt. Das Ziel besteht darin, gemeinsam mit den Interessengruppen ein Projekt zu entwickeln, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht und allseits akzeptiert wird. Das Stromversorgungsgesetz ist in dieser Hinsicht streng, da es von den Trägern der Projekte des Runden Tisches die Umsetzung von zusätzlichen Ausgleichsmassnahmen verlangt, die über die im Allgemeinen für diese Art von Projekten vorgesehenen Mindestanforderungen hinausgehen. Die Grande Dixence SA wird diese gesetzlichen Vorgaben einhalten.
Haben Sie für diesen Standort eine Gefahrenkarte erstellt? Besteht die Gefahr von Hangrutschen oder starken Steinschlägen?
Eine detaillierte Analyse dieser Art von Risiken ist Teil des Dossiers, das für die Realisierung des Projekts eingereicht werden muss. In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF arbeiten externe, auf Naturgefahren spezialisierte Fachkräfte an diesen Themen. Alle möglichen Risiken im Zusammenhang mit Naturgefahren werden berücksichtigt, und die Ergebnisse fliessen in die Projektplanung ein. Sobald diese Ergebnisse vorliegen, werden wir sie an die Behörden weiterleiten und der Bevölkerung vorlegen.
Wie ist die Ausbreitung, insbesondere was die Fläche betrifft, des neuen künstlichen Sees im Vergleich zu dem sich sowieso bildenden natürlichen See?
Aufgrund des Klimawandels wird der gesamte Gletscher, unabhängig vom Bau einer Staumauer, aus dem Tal der Gornera verschwinden, und der grösste Teil des Tals bis zum natürlichen Riegel wird ständig von einem natürlichen See gefüllt sein. Zum Vergleich: Das Projekt Gornerli hat zur Folge, dass sich der gestaute See rund 800 m weiter bis zur neuen Staumauer erstreckt (im Vergleich: die Länge des natürlichen Sees beträgt rund 3.5 km) und der höchste Wasserstand des Sees (nur im Herbst) ca. 40 m höher liegt als das Niveau des natürlichen Sees (bei einem Tal von rund 800 m Höhe).
Gibt es im Rahmen des Gornerli-Projekts schützenswerte Gletschervorfelder?
Ganz generell umfasst ein Gletschervorfeld die Gebiete im Bereich des Gletscherendes, die bis vor rund 200 Jahren eisbedeckt waren. Ein solches Gletschervorfeldgebiet gibt es auch unterhalb des Gornergletschers, das Gebiet ist jedoch nicht unter Schutz gestellt. Durch das Schmelzen des Gornergletschers wird sich das Gletschervorfeld laufend vergrössern. Das in den kommenden Jahrzehnten freiwerdende Gletschervorfeld wird einerseits aus Felsen, Stein, Moränen und neuer Vegetation bestehen, aber wird andererseits ganz wesentlich von einem grossen natürlichen See geprägt sein. Das Stromversorgungsgesetz fordert eine Interessenabwägung für Projekte von nationaler Bedeutung wie Gornerli in Bezug auf Energieproduktion und Umweltauswirkungen.
Wird durch das Projekt Gornerli in Zukunft mehr Wasser genutzt als bisher?
Ja, es ist geplant, einen Teil des derzeit nicht gefassten Wassers, unter Einhaltung der geltenden Gesetzgebung, zu nutzen und als umfassende Winterenergie im Stausee Gornerli zu speichern. Diese Überläufe werden jedoch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Grund der rückläufigen Zuflüsse wieder abnehmen.
Wie wirkt sich die zusätzliche Wasserentnahme auf die Umwelt innerhalb und ausserhalb des Grande Dixence-Perimeters aus?
Mögliche Auswirkungen der Entnahme eines Teils der Überläufe im Sommer, die sich auf Grund der starken Gletscherschmelze ergeben, werden aktuell im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung analysiert.
Gibt es längerfristig genügend Zuflüsse, um den Stausee Gornerli zu füllen?
Bei der Dimensionierung des Gornerli-Projekts erfolgt eine Gesamtbetrachtung der zukünftigen Zuflüsse in diesem Tal, aber auch im gesamten Einzugsgebiet der Grande Dixence. Die Studien laufen derzeit noch und werden die jüngsten Klimaszenarien (CH2025, vorgelegt im November 2025) mitberücksichtigen.
Die Grande Dixence fasst bereits den Grossteil des Wassers der Gornera. Warum also noch eine Staumauer bauen?
Das ist richtig, das in der Gornera gefasste Wasser speist bereits das Ausgleichsbecken Z’Mutt. Anschliessend wird das Wasser zu dem höher gelegenen, bestehenden Stausee Lac des Dix gepumpt. Die Gornera-Fassung ist jedoch begrenzt, und vor allem handelt es sich beim bestehenden Ausgleichsbecken Z’Mutt um einen kleinen Speicher, der nicht dazu gemacht ist, grössere Mengen Wasser für den Winter zu speichern. Genau diese saisonale Speicherung ist der Grund für das Gornerli-Projekt. Zudem befindet sich der Z’Mutt-Speicher 200 Meter tiefer als die künftige Gornerli-Pumpstation. Auf Grund dieser geringeren Pumpenhöhe wird durch das Projekt Gornerli jährlich rund 80 Mio. kWh Strom eingespart.
Wird die Staumauer Z’Mutt aufgegeben, wenn sie nicht mehr vom Gornera-Wasser gespeist wird?
Zwar liefert Gornera heute den überwiegenden Teil der Zuflussmengen über die bestehende Wasserfassung in den Speicher Z’Mutt, es gibt jedoch noch weitere Zuflüsse. Wasserfassungen an der Westseite des Mattertals und der Zmuttbach leiten ebenfalls Wasser in das Ausgleichsbecken Z’Mutt. Zudem wird es in Zukunft immer wieder Situationen geben, in denen die heutige Wasserfassung Gornera genutzt werden muss, um das Wasser der Gornera nach Z’Mutt zu leiten. Darüber hinaus wird das von EWZ betriebene Kraftwerk Mutt ebenfalls durch den Z’Mutt-See gespeist.
Wie wird das neue Bauwerk die auf Grund des Gletscherrückgangs laufend steigenden Sedimenteinträge beherrschen?
Das Geschiebekonzept Gornerli ist Teil der laufenden Untersuchungen. Messkampagnen haben aufgezeigt, dass sich mit dem Rückzug des Gletschers ein natürlicher See von rund 50 Mio. m3 bilden wird. Mit Hilfe dieses natürliches Rückhaltevolumens sowie mit baulichen Massnahmen an der geplanten Staumauer wird der zu erwartende Sedimenteintrag langfristig beherrschbar sein.
Warum sind neue Speicherseen in den Alpen derart wichtig?
Durch den Klimawandel und die steigenden Temperaturen schmelzen sehr viele Gletscher in der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten ab. Die Gletscher nehmen als Wasserspeicher in Bezug auf den Hochwasserschutz und die langfristige Sicherstellung der regionalen Wasserversorgung eine entscheidende Rolle ein. Die Klimaveränderung wird dazu führen, dass Hochwassersituationen (Gletscherschmelze und Starkregen) und lang andauernde Trockenperioden zunehmen. Stauseen werden die Funktion der Gletscher als Wasserpuffer mindestens teilweise übernehmen.
