AUSWIRKUNG DES BAUS

Der Bau der Grande Dixence beschert Kanton und Gemeinden willkommene Einnahmen. Die Löhne der einheimischen Arbeiter bringen wachsenden Wohlstand. Der Bau der Grande Dixence bringt tiefgreifende Veränderungen in der lokalen Infrastruktur und auf dem Arbeitsmarkt, aber auch in der Gesellschaft.

Wohlstand dank dem Kraftwerkbau

FINANZIELLE ABGELTUNGEN

Die Grande Dixence SA investiert in den Konzessionsgemeinden erhebliche Summen. Diese Beiträge umfassen den Erwerb der Konzessionen, die Wasserzinsen und verschiedenen Steuern und Abgaben. 1956 schätzt Grossrat Camille Sierro die jährlichen Leistungen auf 10 Mio. Franken. Sie werden zu gleichen Teilen zwischen dem Kanton Wallis und den Konzessionsgemeinden aufgeteilt.

Die einheimischen Arbeitskräfte, die auf den Baustellen der Grande Dixence beschäftigt sind, erhalten ihre Löhne in barem Geld. Dies im Gegensatz zu Arbeiten in der Landwirtschaft, die meist in Naturalien abgegolten werden. Während der 15-jährigen Bauzeit der Grande Dixence werden mehrere hundert Millionen Franken an Löhnen ausbezahlt.

DIE LOKALE BEVÖLKERUNG UND IHRE ARBEIT

Diese Finanzmittel eröffnen für die Gemeinden und die lokale Bevölkerung neue Perspektiven. Ein Teil dieser Gelder wird in die Infrastruktur gesteckt, wie den Strassenbau. Ein anderer Teil, vor allem die Löhne an die einheimischen Arbeiter, dient der Verbesserung der Wohnsituation und damit der Lebensqualität.

In Hérémence sind die meisten Häuser inzwischen mit früher kaum gekanntem Komfort ausgestattet: fliessendes Wasser, Sanitäranlagen, Elektroherde und – mit dem Luxus – mehrerer Schlafzimmer.

« Die Behausungen haben sich nach der Grande Dixence sehr stark verändert, weil die Männer Geld verdienten. Sie haben im Dorf und dann an den Häusern Erneuerungen vorgenommen: Sie installierten neue Küchen, verbesserten das ganze Innere der Häuser. Das wäre früher nicht möglich gewesen, weil die Landwirtschaft kein Geld einbrachte (…) »

Quelle: VOUILLOZ BURNIER M.-F., À l’ombre de la Dixence : vie quotidienne des femmes dans l’arc alpin, 2009, pp. 267-268.

Wenn Baustellen die Gesellschaft verändern

BESSERE STRASSENVERBINDUNGEN

Pferdekutsche auf dem Karrenweg nach Evolène, auf der Höhe der Pyramiden von Euseigne, um 1918
© Maison hospitalière du Grand-Saint-Bernard, Médiathèque Valais – Martigny

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besteht das Strassennetz im Mattertal und im Val d’Hérens einzig aus Karrenwegen und Maultierpfaden. Dieses Verkehrsnetz genügt den Anforderungen durch den Kraftwerkbau der Grande Dixence keineswegs; der Transport von Material und Maschinen erfordert einen Ausbau. Ohne diese Verbesserungen wäre der Einsatz von schweren Lastwagen nicht möglich.

Transport der ersten Maschinengruppe für die Pumpstation Stafel, 25. Mai 1960
© S. Deodato, Grande-Dixence, Médiathèque Valais – Martigny

Die Grande Dixence beteiligt sich daher finanziell am Ausbau und am Unterhalt der bestehenden Verkehrswege und am Bau von neuen Verbindungsstrassen. Dieser Ausbau kommt nicht einzig dem Kraftwerkbau entgegen, sondern trägt überdies viel zur Erschliessung bisher abgelegener Regionen und Talschaften bei.

Bau der Strasse zur Baustelle in Seickren (Mattertal), um 1960
© Roger Claivaz, Grande-Dixence, Médiathèque Valais – Martigny

NEUE ARBEITSPLÄTZE

Der Bau der Grande Dixence wirkt sich auf die Walliser und sogar auf die gesamtschweizerische Wirtschaft aus. Im Wallis verändert sich die Beschäftigungsstruktur rasch. Die Landwirtschaft, die bis in die 1950er Jahre den wichtigsten Wirtschaftssektor bildet, verliert zugunsten der Industrie, der Bauwirtschaft und der Dienstleistungen an Bedeutung.

Der Niedergang der Landwirtschaft zwischen 1941 und 1970
© Plates-Bandes communication Sàrl

DIE FRAUEN EMANZIPIEREN SICH

Um 1900 beschränkt sich Rolle der Frau noch weitgehend auf den Haushalt. Sie kümmert sich um die Hausarbeit, die Erziehung der Kinder, die Gartenarbeit und gelegentlich besorgt sie das Vieh. Als sich die Männer auf die Baustellen der Grande Dixence verabschieden, übernehmen Frauen zunehmend neue und wichtige Aufgaben. Daraus entwickelt sich eine neue Realität, in der Frauen sich um die Viehzucht kümmern, mähen, das Heu einbringen und sogar schwere Lasten tragen – ganz wie die Männer eben…

« Ohne die Unterstützung unserer Frauen, die uns in der Landwirtschaft ersetzt haben, hätten wir es nie geschafft. »

Zitat von Albert Sierro, Arbeiter auf der Baustelle des Staumauers Grande Dixence von 1950 bis 1962, dann Staudammbauer von 1962 bis 1997.

Frauen bei der Heuernte in La Forclaz (Val d’Hérens), zwischen 1940 und 1960
© Albert Sauthier, collection Rose-Claire Schüle, Médiathèque Valais – Martigny
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