ENTSTEHUNG DES PROJELTES

In der Schweiz nimmt der Bedarf an elektrischer Energie stetig zu. Diese Entwicklung verstärkt sich zwischen 1930 und 1945. Denn die Nutzung von elektrischen Haushaltsgeräten wird für breite Schichten der Bevölkerung zugänglich. Um die Produktion für Winterenergie zu steigern, werden verschiedene Möglichkeiten geprüft.

Strom wird knapp!

PRODUKTION UNTER DRUCK

Die Wasserkraft erfährt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen markanten Ausbau. Dennoch können die bestehenden Kraftwerke die steigende Nachfrage nicht mehr decken. Mehrere trockene Winter verschärfen zwischen 1946 und 1949 die Lage, weil die der Stromproduktion dienende Wassermenge stark eingeschränkt ist. Es herrscht akuter Strommangel!

DRASTISCHE EINSCHRÄNKUNGEN

Um dieser Krise zu begegnen, ergreift der Bund einschränkende Massnahmen. Im November berichten Walliser Zeitungen wie der Nouvelliste über die restriktiven Richtlinien des Bundesamtes für Kriegswirtschaft und Industrie und Arbeit.

SUPERKRAFTWERK IM WALLIS?

1929 gibt das Eidgenössische Amt für Wasserwirtschaft eine Studie für die Ausbaumöglichkeiten der Energiespeicherung zur Erzeugung von Winterstrom in der Schweiz in Auftrag. Diese Studie wird 1941 abgeschlossen. Sie bildet für die Stromproduzenten eine wichtige Grundlage. Für das Wallis schlägt die Studie vor, die Première Dixence „in ein Superkraftwerk auszubauen, das im Winter rund 1,7 Mia. kWh an Energie erzeugen soll.“

GIGANTISCHER KRAFTWERK-KOMPLEX

Eingespeist würde dieser Kraftwerkkomplex von Wasser aus den Einzugsgebieten der Mattervispe (Zermatt) und der Dranse (Bagnestal). Dieses Wasser soll über ein Stollensystem von rund 100 km Länge und durch mehrere Pumpstationen in einen Stausee von einem Volumen von 430 Mio. m3 geleitet werden. Sechs Druckleitungen parallel zu den bestehenden würden das Wasser einem Kraftwerk bei Chandoline in der Nähe von Sitten zuleiten. Die Kosten des Projektes werden auf 690 Mio. Franken geschätzt.

Übersichtskarte der Erweiterung des Kraftwerks Première Dixence (1945): die gelb markierten Flächen stellen die verschiedenen Wassereinzugsgebiete mit einer Gesamtfläche von 600 km2 dar.
© Raphaël Fiorina, Grande Dixence SA

Verschiedene Varianten – Ein Ziel

INTERESSE DER EOS

Die EOS (Energie Ouest Suisse) zeigt ein ausgeprägtes Interesse am Vorschlag des Eidgenössischen Amtes für Wasserwirtschaft. Diese neuen Anlagen würden die bestehenden Einrichtungen der Première Dixence tangieren. Gleichzeitig strebt die EOS den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten im Winter an.

Ein neues Staubecken im Val des Dix soll 400 Mio. m3 Wasser aufnehmen, berechnet aus dem Volumen von 50 Mio. m3 der bestehenden Staumauer der Première Dixence und weiteren 350 Mio. m3 dank der neuen Staumauer. Das Wasser würde über mehrere Stufen durch Kraftwerke in Fionnay, Sembrancher und Le Guercet bei Martigny genutzt.

Schema des auf vier Stufen aufgeteilten Gefälles mit den entsprechenden vier Kraftwerken, 25. Mai 1951. Dieser Plan entspricht dem Projekt von EOS, auch wenn er von Mitarbeitern der Grande Dixence SA gezeichnet wurde.
© Raphaël Fiorina, Grande Dixence SA

Diese Projektvariante weist im Vergleich zum ursprünglich geplanten Werk eine leicht verringerte Produktionskapazität auf. EOS schätzt die Winterproduktion auf insgesamt 1,4 Mia. kWh.

DAS ENDGÜLTIGE PROJEKT

1954 prüft die Grande Dixence SA nochmals mehrere Projekte. Weil es schliesslich nicht möglich ist, die Wasser aus dem oberen Bagnestal zu bekommen, fasst man das Wasser aus den Einzugsgebieten der Vispe im Mattertal und der Borgne im Val d’Hérens.

Die Nutzung des Wassers aus dem Val d’Anniviers und dem Val de Bagnes geht an die Kraftwerkgesellschaften Gougra und Mauvoisin. Vier Pumpstationen bringen das Wasser, das auf rund 2400 m ü. M. gefasst wird, über die Hauptsammelleitung in den Speichersee des Val des Dix. Das Wasser wird in den Kraftwerken Fionnay, Nendaz und Chandoline (EOS) turbiniert, also zu Strom umgewandelt. Die Winterproduktion beträgt 1,4 Mia. kWh.

Die Baukosten belaufen sich auf 1,7 Mia. Franken.

GRANDE DIXENCE, INBETRIEBNAHME 1965

  • Eine 285m hohe Gewichtsstaumauer. Das ist Weltrekord!
  • Ein Wassereinzugsgebiet von 420km2
  • 2 Wasserkraftwerke – Fionnay und Nendaz
  • 100 km Stollen, deren Hauptsammler quasi als „unterirdischer Fluss parallel zum Rhone“ bezeichnet werden kann
  • 4 Pumpstationen – Arolla, Ferpècle, Stafel und Z’Mutt – mit dazugehörigem Ausgleichsbecken
Cookie-Einwilligungserklärung
Indem Sie Ihren Besuch auf dieser Website fortsetzen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies zur Verbesserung Ihres Nutzererlebnisses und zur Erstellung von Besuchsstatistiken einverstanden. Über nachstehende Schaltflächen können Sie Ihre Cookie-Einstellungen anpassen.
Meine Einstellungen