Der Mehrzweckspeicher Gornerli
Seit 2018 streben die Grande Dixence SA und die Gemeinde Zermatt den Bau einer Mehrzweckstauanlage an der engsten Stelle des Flusses Gornera an. Dieser natürliche Geländeriegel hat sich durch den Rückzug des Gornergletschers gebildet. Er stellt den idealen Standort für eine Staumauer dar.

© Grande Dixence SA
MEHRERE HERAUSFORDERUNGEN
Das Wasser des Gletschers und seines Einzugsgebietes wird gestaut. Dadurch verbessert dieses Werk die Sicherheit für die lokale und regionale Bevölkerung bei den immer häufigeren Hochwassern der Vispe. Die Sicherheit der Bevölkerung und der Sachwerte steht also am Beginn des Gornerli-Projektes. Dazu kommen andere Nutzungsmöglichkeiten wie die Versorgung mit Trinkwasser und mit Wässerwasser – und natürlich die Produktion von Winterenergie.
Die Grande Dixence SA ist interessiert an diesem Projekt. Es bedeutet für sie die jährliche Einsparung von elektrischem Strom von rund 80 GWh beim Pumpbetrieb. Das Wasser, das zurzeit an der Gornera gefasst und ins Ausgleichbecken von Z’Mutt geleitet wird, muss von dort in den Hauptstollen hochgepumpt werden. Nach der Realisierung der Mehrzweckspeicheranlage könnte es dem Sammler direkt zugeführt werden.

© Grande Dixence SA
SCHÜTZENHILFE VON KANTON UND BUND
Das Gornerli-Projekt umfasst den Bau einer Staumauer von rund 80 m Höhe, hinter der sich 150 Mio. m3 Wasser stauen.
Die Bundesbehörden messen diesem Projekt grosse Bedeutung bei. Sie räumen ihm wegen seiner Mehrfachfunktion auch hohe Priorität ein. 2021 wird das Projekt dem Staat Wallis unterbreitet. Durch eine Aufnahme in den kantonalen Richtplan soll eine zügige Realisierung möglich werden. Dies wird zu Beginn des Jahres 2023 bewilligt.
Der Heimfall der Wasserrechtskonzessionen
Im Bereich der Wasserkraft stellt eine Konzession die Erlaubnis dar, das hydroelektrische Potenzial eines Wasserlaufs zu nutzen. Kanton und Gemeinden verliehen diese Rechte. Mit finanziellen Vorteilen wie Wasserzinsen und Steuern werden die Wasserrechte abgegolten.
DIE LAGE DER GRANDE DIXENCE SA
Die Gesellschaft verfügt über Konzessionen von rund 20 Gemeinden und des Kantons Wallis. Sie werden in zwei Serien aufgeteilt:
- die Wasserrechte die von der EOS 1948 im Namen der künftigen Gesellschaft Grande Dixence SA erworben werden;
- die Konzessionen, die sie zwischen 1954 und 1962 erwirbt und die unabdingbar nötig sind, weil die Wasser des oberen Bagnetales dem Mauvoisin-Projekt verliehen werden.
Dazu müssen die Wasser der Fara erwähnt werden, deren Konzession für die Fassung unterhalb des Ausgleichsbeckens von Fionnay aus dem Jahre 1957 stammt.

| 1. Visp 2. Zeneggen 3. Visperterminen 4. Törbel 5. Stalden 6. Staldenried 7. Embd 8. Grächen 9. St. Niklaus 10. Randa | 11. Täsch 12. Zermatt 13. Sitten 14. Vex 15. Mont-Noble 16. Hérémence 17. Saint-Martin 18. Évolène 19. Riddes 20. Isérables |
ENDE DER KONZESSION – UND DANN?
Am Ende der Konzessionsdauer sieht die Bundesgesetzgebung ein Heimfallrecht an die konzedierenden Gemeinwesen vor. Sie erhalten den „nassen“ Teil kostenlos und können den „trockenen“ Teil käuflich erwerben.
2010 definiert der Staat Wallis seine Heimfallstrategie. Dies mit dem Ziel, den Heimfall der Anlagen zu regeln und den Wert der einheimischen Wasserkraft zu wahren. Anders ausgedrückt: 60% der neu zu gründenden Konzessionsgesellschaften sollen in Walliser Händen sein (Kantone und Gemeinden). Der andere Teil geht an den früheren Konzessionär oder seine Aktionäre. Auch Dritt-Gesellschaften, die im Kanton oder ausserhalb des Kantons angesiedelt sind, können ins Spiel kommen.
Die offiziellen Verhandlungen um den Heimfall der Grande Dixence beginnen mindestens 15 Jahre vor Konzessionsende. Sie bestehen in einem Gesuch um Erneuerung der Konzessionen durch die Eigentümergesellschaft. Dieses Gesuch muss für die Grande Dixence spätestens bis zum Ende des Jahres 2029 hinterlegt sein.